Yana Yo |
|
|
| |
|
|
texte |
|
|
| Dietrich
Kuhlbrodt Die Lust an der Projektion aus: Frankfurter Rundschau, 22. Januar 1983 |
||
| Am
eindrucksvollsten nutzte eine Berliner Gruppe die Möglichkeit, die
Filmprojektion als Experiment zu begreifen: die "notorischen Reflexe"
sind auf ein einziges Medium nicht festzulegen; sie reagieren durch Musik,
Malerei, Film und Aktion gleichermaßen und zur selben Zeit auf das,
was (ihnen) heute passiert. Ihre - tja "Performance" ist ein
zu schaler Ausdruck -, ihr Auftritt war in Osnabrück das intensivste
Erlebnis. Zusammen mit Thomas Averbeck, Norbert Kerkhey, Jag Ti Garden
und Gas Twist verstanden es die Gruppenmitglieder, die Filme gemacht hatten,
die verschiedenen Medien-Elemente auf den Punkt einer einzigen, großen,
gemeinsamen Erfahrung zu bringen... Und dann bleibt ein Bild stehen. Ein Unikat. Yana Yo steckt einen großen Pinsel in Farbtöpfe und füllt eine Leinwand, auf der ein Film in großen Strichen menschliche Figuren abbildet.Yana Yo kommt (wie Doering) von der bildenden Kunst; auch das macht, daß in den "notorischen Reflexen" der Zeitgeist zu Hause ist. Drum ist die Gruppe allgemein verständlich: im Centre Pompidou und in der bekannten Musikszene, in den bekannten Abspielstellen und auf dem Osnabrücker E-Film-Workshop. |
||
| Keith J.Sanborn Die Architektur der Teilung Hallwalls 1983 |
||
| |
"Die
Architektur der Teilung", Hallwalls 1983 |
|
| Jürgen
Schweinebraden, Freiherr von Wichmann-Eichhorn Aus: Katalogbeitrag "Berlin notes", AusstelIungstournee durch kanadische Kunstinstitute (gekürzt) |
||
| |
Yana
Yo ging einen geradlinigen Weg von der Figur vor kahlem Hintergrund zur
dichten, überlagerten Abstraktion. Von der schnellen Dispersionsfarbe
über den gleitenden Lack zum zähen, bewußt stumpf gehaltenen
Öl. Von den lichten Hintergründen über die grelle Farbigkeit
von Lack zu den schweren, dumpfen Mischungen des Öls. In Malperformances mit den "Notorischen Reflexen" wurde durch Schnelligkeit Sicherheit der Linienführung erprobt, die sich in den im Atelier entstandenen Arbeiten zu Malerei verdichtete. Figuren verloren ihre eindeutig menschlichen, wenn auch bereits durch die Schnelligkeit des Linienauftrages zur Abstraktion tendierenden Umrisse und machten monsterartigen Wesen mit surreal in den Raum greifenden und den Betrachter fast berührenden Gliedmaßen Platz. Die Umrißlinien blieben hart. Die dagegen und dahintergesetzten Flächen waren durch bewegte Formen gekennzeichnet. Die dunklen Farben der Hintergrundflächen verstärkten den in die Tiefe zielenden Raumeindruck und wurden durch meist schwarze Linien, Punkte und Striche in ihrer Flächigkeit wieder aufgelöst. Die Figuration verlor mehr und mehr ihre eindeutige Erkennbarkeit, ohne daß die so entstandenen Linien und Formen ihre Herkunft von einer Figürlichkeit verleugnen wollten. Doch der Schritt zur Abstraktion war vollzogen. Am stärksten wurde die Tendenz zur Abstraktion und Verdichtung vorangetrieben, seit Yana Yo mit Öl malt. Immer sind es kurvige, kreisende Linien, die die Form bestimmen. Symptomatisch
scheint mir eine dichte, trotz des erkennbaren Zentrums fast den Bildrahmen
sprengende Gestaltung eines von Bewegung erfüllten Bildfeldes zu
sein. Die malerischen Strukturen scheinen sich mehr und mehr zu verselbständigen.
Das Linien- und Flächengefüge wird fest und läßt
nach einem möglichen neuen Symbolgehalt solcher Malerei fragen.
Es entstehen Zeichen, die für sich selbst und scheinbar - oder
tatsächlich (?) - für Nichts stehen. Denn diese Malerei enthält
weder Gegenstände noch Begriffe, die von der Sprache oder vom Bewußtsein
erfaßt werden können. Die Spontaneität mit der auch
diese Bilder entstehen, schließt Erstarrung aus. Der Weg zwischen
Malimpuls und Aufzeichnung ist zeitlich reduziert, ohne jedoch das Ende
des Malvorganges bzw. das fertige Produkt Bild' in einem Zuge zu intendieren:
irgendwann kann die begonnene und vielleicht sogar fertige' Arbeit von
neuen Impulsen überlagerl werden, die die ursprüngliche Komposition
verändern können-. es entsteht ein anderes als ursprünglich
gemeintes Bild. |
|
| Sabine
Vogel Aus: Katalogbeitrag "Wissarth 84-87", Ausstellung "Quere Wege" Liv Mette Larsen und Yana Yo |
||
| |
Ein roter Faden mit unbekanntem Anfang zerschneidet den Fußboden. An einem Turm aus kleinformatigen Gemälden aus getrennter Hand hangelt sich der Blick gleichmäßig zwischen abstrakten und figurativen Motiven entlang, um leicht verdutzt an einem Mobile hängen zu bleiben. In der labilen Balance aus Schwemmhölzern und einem Stück Gummischlauch verfängt sich die Erkenntnis, daß Kunst ganz leicht sein kann. | |
| Friedemann
Malsch Katalogbeitrag zur Ausstellung "Tiefgang", Schlossbunker, Mannheim, 05.1992 (Auszug): |
||
| "...
Veränderungen in minimalen Zeiteinheiten breiten sich aus: Gedehnte
Zeit, die ihre ganze poetische Dichte entfaltet. Oder es wird ein Zeitablauf
simuliert mittels Variation eines Motivs auf der Basis von Zufallsstrukturen,
die anschliessend zu einem vielteiligen Tableau zusammengestellt werden. Diese können sowohl statische Formen (Rechteck, Quadrat) als auch rhythmische Figuren annehmen (z.B. den japanischen 5-7-5-Rhythmus). Dabei bewegt sich das Bild immer an der Grenze zur völligen Beliebigkeit. Yo studiert den Moment, in dem das Bild aus dem informationellen Rauschen heraustritt und Gestalt gewinnt. Welcher Augenblick wäre in seiner Erlebnisqualität intensiver?" |
||
| Noemi
Smolik Katalogbeitrag zur Ausstellung "Nähe und Ferne", Stadtgalerie Sofia, Bulgarien, 10.1996 (Auszug): |
||
| |
"Malerei
gegen die Endgültigkeit" Die farbigen Tafeln der Malerin Yana Yo sind auf den ersten Blick nicht zu fassen, auch nicht auf den zweiten oder dritten Blick. Sie entziehen sich jeder Art der Erfassung, da ihre Flächen sich in ständiger Veränderung zu befinden scheinen. Diese Veränderung ist es, die den Bildern immer wieder ein anderes Aussehen verleiht; jeder Blick ist neu, jeder Blick ist anders, nie gleicht ein Blick dem anderen, nie kann man mit einem Blick die farbigen Flächen erfassen. Die Erfassung der Bilder hat keinen Anfang, kein Ende, sie ist nie abgeschlossen. Wie einzelne Filmsequenzen scheinen die Bildflächen vor unseren Augen abzulaufen. Nicht zufällig hat sich die Künstlerin Yana Yo am Anfang ihrer künstlerischen Karriere mit Film und Video auseinandergesetzt und ihre Malerei mit einzelnen Zeitabfolgen und Bewegungen begonnen, die sie auch treffend "Sequenzen" nannte. Mit ihren frühen Bildern, den "Sequenzen", und vor allem mit ihren letzten Bildern bringt Yana Yo ein neues Element in die Malerei, und zwar die Bewegung. ..." |
|
Ralf
Hartweg |
||
| |
..."Haiku"
(I+II) benannte die Künstlerin 1990 gleich zwei Gemälde in der
WGZ-Sammlung. Sie sind als so genannte Frühlings-und Sommer-Haikus
Teile einer Vier-Jahreszeiten-Serie. ...Jedes "Haiku" besteht aus 17 Leinwand-Quadraten von 20x20cm, die in drei Reihen zu 5-7-5 gehängt sind. "Haiku" ist ein japanischer Begriff und bezeichnet ein japanisches Gedicht in einer genau festgelegten Form. ...Seit dem 17. Jahrhundert bestehen Haikus aus drei Zeilen und 17 Silben, angeordnet nach dem Muster 5-7-5, dem Muster, nach dem auch Yana Yos Bilder hängen. Die Form der Haikus sind festgelegt, dagegen sind die Themen der Dreizeiler frei und vielfältig. In Haiku-Gedichten findet der aufmerksame und aufgeschlossene Leser Sinneneindrücke genauso wieder wie den bedeutungsvollen Ausdruck für die - manchmal heiter-beglückenden - stillen Schönheiten unscheinbarer Kleinigkeiten. Die Haiku-Gemälde der WGZ-Bank sind inspiriert von Kastanienblütenblättern, herabgeweht auf den regennassen Aspalt.... Angelehnt an die japanische Tradition verbindet Yana Yo Form und Aussage stimmig. Durch den Jahrszeitenzyklus verändert sie das Motiv darüber hinaus vierfach und thematisiert so den tiefen inhaltlichen Zusammenhang von Wachsen, Bestand und Wandel. In Yana Yos mehrteiligen Werken bis Mitte der 90-er Jahre ist ihre geistvolle, konzentrierte Begegnung mit japanischer Ästhetik immer wieder deutlich. Vereinzelte, nur wenig variierte Formen werden wiederholt und scheinen mühelos und wie natürlich über dem kontraststarken Untergrund zu schweben. ...In allen Arbeiten der Malerin findet sich derselbe faszinierende Grundton, der, wie bei den Haikus, Kraft und Ruhe, Konzentration und Gelassenheit zu erzeugen vermag. |
|
| Hubertus Butin Der Haifisch in der Vogeltränke Katalogtext, 2004 |
||
| Man stelle sich vor,
ein Familienfotoalbum würde Aufnahmen enthalten, die das Sterben
des Großvaters, den Ehestreit der Eltern, die im Schwimmbecken
ertrunkene Katze, die weinende Mutter, den Hautauschlag der Tochter,
den prügelnden Vater und ähnliche Motive zeigen – unvorstellbar,
da es einem kulturellen Tabu gleichkäme. Als abbildungs- und erinnerungswürdig
gelten fast ausschließlich positiv assoziierte Situationen wie
die Geburtstagsparty, die Urlaubsreise, der Sonntagsausflug, die Abiturfeier,
die Hochzeit, das eigene Haus und der blühende Garten, das lachende
Baby und Ähnliches. Wie Rosalind E. Krauss hervorhebt, hat die
Fotokamera »ihren Platz innerhalb des ritualisierten Kults häuslichen
Lebens und wird auf die Momente getrimmt, die innerhalb dieses Kults
heilig sind«. Das ideologische Konstrukt des Fotoalbums impliziert,
dass alle Konflikte und Schattenseiten des Lebens im Bild grundsätzlich
ausgeblendet bleiben. Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass auch Yana Yos weitgehend realistische Gemälde traditionelle Vorstellungen vom häuslichen Glück und von der harmonischen Lebenswelt der Familie vermitteln und bestätigen wollen. 2003 produzierte die Künstlerin 15 kleinformatige Ölbilder (40 x 40 cm), die alle auf Fotografien aus den fünfziger und sechziger Jahren basieren. Die Aufnahmen, die sich auf einem Flohmarkt fanden, wurden von einem unbekannten Knipserfotografen offensichtlich zum rein privaten Gebrauch und ohne künstlerische Ambitionen angefertigt. Diese fotografischen Vorlagen zeigen unter anderem Gartenstühle auf einer Terrasse, einen Swimmingpool mit Vogeltränke und Topfpflanzen, kitschige Tierplastiken in einem Vorgarten, ein Wohnzimmer mit Sitzgruppe und Fensterbank, eine kleine Vase mit Blumen, den Blick durch ein Fenster auf eine unbekleidete Person im Garten, ein Handtuch auf einer Wäscheleine und einen verwackelten Schnappschuss von einer Stadtrundfahrt. Jene beschauliche, kleine, heile Welt und deren spezifische triviale Ästhetik wurden von Yana Yo im Kunstkontext bildwürdig gemacht. Doch die memorierende Funktion der privaten Fotografien verliert in der Malerei gerade durch die Nobilitierung des Trivialen ihre Selbstverständlichkeit, und die Motive werden zu anschaulichen Objekten der Reflexion.
|
||
| Yana Yo zu "SIR BRIAN'S HOME", 2007 | ||
| Er trägt rosa Gummischuhe
und isst gern eingelegten Hering. Inmitten seiner Skulpturen und Antiquitäten
lebt der 89-jährige Engländer allein in einem 800 Jahre alten
Burgschloss in Südfrankreich. Sein Röhrenradio spielt den ganzen
Tag klassische Musik. Er ist ehemaliger Schauspieler, Bomberpilot, Antiquitätenhändler, Ehemann, Heiler, Philosoph, Dichter und „Sculpteur“ und bezeichnet sein Dorf als intellektuellen Friedhof. Die meisten der 90 Dorfbewohner haben sein Haus noch nie von innen gesehen. |
||
| Florian Wüst Ernstfall in Echtzeit, aus: Wer sagt denn, dass Beton nicht brennt, hast Du’s probiert? B_books, Berlin 2008 |
||
Flut der Bilder
|
||
Friederike Gratz |
||
Film und Performance fixieren den Augenblick stets mehr oder minder temporär und ausschnitthaft. Die Erfahrung der Malerin und Experimentalfilmerin Yana Yo mit diesen Medien spiegelt sich auch in ihren neuen bildnerischen Arbeiten. Schemenhaft bewegte Frauenbilder verweisen auf die Fragilität des Moments und auf die Chance wie Gefahr der nächsten Wendung. Zeichen des Stillstands, der Flucht und der Rebellion deuten die vielfältigen Reaktionsmöglichkeiten auf jene Zustandsveränderungen an.
|
||
|
Texte
|